HELGE SCHNEIDER ALS SADDAM? (DIE PRESSE)

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Der Schauspieler und Musiker würde die Rolle im Hitler-Film „Mein Führer“ nicht noch mal annehmen. Schlingensief will ihn nun als Saddam Hussein.

(die presse)

Der deutsche Schauspieler und Musiker Helge Schneider verteidigt den Schweizer Regisseur Dany Levy und dessen Hitler-Film „Mein Führer“. „Über Hitler kann und darf ich mich 24 Stunden lang lustig machen“, sagte Schneider bei einer Video-Konferenz angesichts der Kritik, die Komödie verharmlose den Holocaust. „Das finde ich nicht richtig. Es ist ein großer Unterschied, ob ich über Hitler lache oder das Grauen, das er verursacht hat.“ Der deutsche Anarcho-Komiker, der im Film Hitler verkörpert, ist mit „Mein Führer“ ab 19. Jänner im Kino und im Mai mit seiner neuen Platte „I brake together“ in Österreich.

Zu wenig anarchisch
Ihm selbst sei „Mein Führer“ zu wenig anarchisch, bekräftigte Schneider dafür seine persönliche Kritik der vergangenen Tage. „Ich finde den Film wirklich nicht so gut.“ Der Streifen sei als Komödie betitelt, aber man könne nicht „befreit darüber lachen“. Wenn kürzlich bei der Weltpremiere gelacht wurde, als Hitler bei den jüdischen Eheleuten ins Bett kriecht, dann sei das nicht sein Humor. Aber es sei gut, „dass der Film eine Diskussion ausgelöst hat. Ob er nun künstlerisch gut ist, das ist sowieso eine andere Frage.“

Schneider als Saddam?
Von der Filmschauspielerei hat Schneider jedenfalls vorerst genug. „Ich habe das sehr gerne gemacht, aber so eine Rolle wie bei dem Hitler-Film würde ich nicht mehr annehmen.“ Er habe inzwischen dafür ein Angebot von Christoph Schlingensief bekommen, für den er vor mehr als 20 Jahren bereits einmal in die Rolle als Hitler geschlüpft war. „Tod im Partykeller, da soll ich Saddam Hussein spielen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich das mache.“ Kino interessiere ihn eigentlich nicht so sehr wie die Bühne.

Schneider – der Musikclown
Dort versteht sich Schneider als „Musikclown“ – und als solcher wird er auf seiner Riesentournee mit mehr als 100 Auftritten auch in Österreich vorbeikommen. Mit seiner Band präsentiert er sein neues Album „I brake together“ (eine „jazzig-rockig-funkige Platte“) in der Wiener Stadthalle (17.-19. Mai) und im Grazer Orpheum (20./21. Mai). „Wenn ich nach Wien fahre, weiß ich, da bin ich gut aufgehoben“, schilderte der Komiker seine Österreich-Erfahrungen. „In Salzburg hab ich mir schon mal einen Hut gekauft, und Wien ist eine der schönsten Städte Kärntens.“

Zwischen seinem einstigen Erfolgshit „Katzeklo“ und seiner neuen Single „Käsebrot“ sieht Schneider „keinen großen Unterschied. Beide Lieder waren sehr spontan und bestechen durch ihre Einfachheit, aber bei ‚Käsebrot‘ haben wir länger herumgefeilt.“ Die zumeist durch Improvisation entstehenden Lieder seien überhaupt „ganz gut geworden“. Wann er denn während der Dreharbeiten und Promotion sowie der Arbeit an seinem neuen Buch „Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas – Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers“ Zeit für die Lieder gefunden habe? Schneider darauf trocken: „Diese Schallplatte ist zu Stande gekommen, weil mir die Interviews zum Film total auf den Sack gingen.“

11.1.07